In unserem Guide "Weg von Gmail? Hol dir zuerst deine eigene Domain" haben wir dafür geworben, zuerst eine eigene Domain zu besorgen und erst dann den E-Mail-Anbieter zu wählen. Diese persönliche Domain ist der Teil deiner Identität, der bleibt, auch wenn du den E-Mail-Anbieter wechselst.

Dieser Leitfaden beantwortet die Folgefrage: Welche ccTLD (Country-Code Top-Level-Domain; etwa .de, .fr, .es, .eu) sollte man wählen? Die Europäische Union hat 27 Endungen der jeweiligen Mitgliedsstaaten, plus die .eu Endung. Diese TLDs unterscheiden sich darin, wer sie registrieren darf, welche Registry-Regeln gelten und was sie auf Registry-Ebene kosten.

Was macht eine Domain europäisch?

Die TLD und die maßgebliche Registry

Jede ccTLD hat eine dazugehörige Registry, meist betrieben von einer staatlichen Stelle, Forschungseinrichtung oder einer gemeinnützigen Organisation. Diese Registry verwaltet das Registrierungssystem und die Daten, aus denen das weltweit verteilte DNS bedient wird. Der .de-Namensraum etwa wird durch DENIC verwaltet, eine deutsche gemeinnützige Genossenschaft. Die maßgebliche Registry legt die Regeln und Richtlinien fest, die eine TLD steuern. Zum Beispiel:

  • Wer eine Domain registrieren darf
  • Welche Angaben bei der Registrierung gemacht werden müssen
  • Welche Sonderzeichen im Domainnamen erlaubt sind
  • Wie Eigentums- und Markenstreitigkeiten gelöst werden

Die weit verbreiteten TLDs .com und .net werden durch Verisign, ein privates US-Unternehmen, betrieben. Eine .com Domain etwa über einen französischen Registrar zu registrieren verlegt den Registry-Eintrag deshalb nicht aus der US-Jurisdiktion von Verisign, auch wenn der Registrarvertrag und andere Teile des Dienstes weiterhin europäischem Recht unterliegen können.

Der Registrar

Die meisten europäischen Registries verkaufen Domains nicht direkt an Endkunden. Stattdessen delegieren sie das an akkreditierte Registrare, also private Unternehmen, die Abrechnung, Support und den Alltagsbetrieb übernehmen. Dazu gehören große US-Firmen wie GoDaddy oder lokale europäische Domain-Registrare.

In der Praxis kann man heute eine nicht-europäische TLD wie .com bei einem europäischen Registrar kaufen und umgekehrt eine EU-ccTLD wie .de bei einem US-Registrar.

Ein Hinweis zu Root-Servern

Root-Server sind der Ausgangspunkt der DNS-Namensauflösung im Internet: Sie legen fest, welche Server eine TLD wie .de oder .fr betreuen. Jede DNS-Abfrage, die nicht im Cache liegt, beginnt damit, die Root-Server zu fragen "Wer ist für die .de-Zone zuständig?", dann fragt der Resolver die DENIC-Server "Wer ist für example.de zuständig?", und schließlich die konfigurierten Nameserver von example.de "Wie lautet die IP-Adresse von www.example.de?".

Die Root-Server kennen also keine einzelnen Domains, sondern nur die autoritativen Nameserver der heute existierenden 1500+ TLDs.

Es gibt heute zwölf Root-Server, die von unterschiedlichen Betreibern verwaltet werden, aber die Liste, die sie ausliefern (Root-Zone-Dateien), kommt von IANA, dem technischen Arm der ICANN - und damit letztlich von einer US-basierten Organisation, die US-Jurisdiktion unterliegt.

Kette von der DNS-Root bis zum .de-Inhaber. Root-Server veröffentlichen die IANA-Root-Zone. Die ccTLD-Registry DENIC betreibt die .de-Zone. Akkreditierte Registrare haben Verträge mit der Registry. Inhaber halten example.de. Durchgezogene Pfeile sind administrative Verträge. Gestrichelte Pfeile sind der DNS-Lookup-Pfad von der Root zu DENIC und weiter zu den Nameservern der Domain, unter Umgehung des Registrars.

Europäische ccTLDs werden in der Regel von souveränen europäischen Organisationen betrieben. Technisch gesehen hängen sie aber weiter von der Root-Server-Delegation unter US-Jurisdiktion ab.

Wer was registrieren darf

Heute sind die meisten EU-ccTLDs weltweit für jeden offen. Das war nicht immer so: Viele starteten als bürger- oder wohnsitzgebunden und haben ihre Registrierungsregeln über die Jahre liberalisiert.

Alle EU-Länderdomains im Überblick

Weltweit offen

  • .at
  • .be
  • .cy
  • .cz
  • .fi
  • .gr
  • .lt
  • .lu
  • .lv
  • .pl
  • .ro
  • .se
  • .si

Weltweit offen, mit Zusatzanforderungen

.de
Zustelladresse in Deutschland auf Verlangen
.dk
Prüfung nach Wohnsitz und Risiko
.ee
ID-Verifizierung
.hu
Begründung kann verlangt werden
.nl
Keine Proxy-Registrierung
.pt
Steuernummer und IBAN nötig

Nur EU/EWR

.eu
Berechtigte EU/EWR-Bürger, -Ansässige oder niedergelassene Organisationen
.fr
Ansässige oder Unternehmen in EU/EWR plus Schweiz
.it
EWR, Schweiz, UK, Vatikan, San Marino
.sk
Adresse in EU/EWR/EFTA oder UK
.bg
Bulgarische oder EU-Bürger und -Unternehmen; dauerhaft in Bulgarien Ansässige; andere Fälle bedingt
.hr
EU-Unternehmen; EU-Bürger mit kroatischer OIB

Eingeschränkt/Sonstiges

.es
Antragsteller mit Interessen oder Bindungen zu Spanien
.ie
Nachweisbarer Irland-Bezug
.mt
Qualifizierte Rechtsträger; Antrag wird geprüft

Die Brexit-Lektion

Diese Voraussetzungen können gelten, solange man die Domain hält, nicht nur am Tag der Registrierung. Am 1. Januar 2021 suspendierte EURid rund 81.000 .eu-Domains, die mit in Großbritannien ansässigen Inhabern verbunden waren, welche die Regeln nicht mehr erfüllten. Etwa 48.000 blieben unberechtigt und wurden schließlich zurückgezogen.

Jurisdiktion: Wer dir deine Domain wegnehmen kann

2012 beschlagnahmten US-Behörden bodog.com, eine Glücksspiel-Website, der vorgeworfen wurde, illegal Glücksspiel für Kunden in den USA anzubieten. Obwohl die Domain über einen kanadischen Registrar registriert war, konnte die US-Seite sie beschlagnahmen, indem sie Verisign (der die .com-Registry betreibt) anwies, bodog.com zu sperren und die Kontrolle an die US-Regierung zu übergeben.

Eine Maßnahme auf .com-Registry-Ebene reicht aus. Der ausländische Registrar muss die Seite nicht abschalten und nicht mit der US-Regierung kooperieren.

Domain-Beschlagnahmen sind immer noch extrem selten. Häufiger verlierst du die Kontrolle über deine Domain, weil du die Verlängerung vergisst, wegen Markenverletzungen oder weil du die Berechtigung verlierst, die Domain zu halten (wie im Brexit-Fall).

Wie du wählst

Für die meisten liegt die naheliegende Wahl auf der ccTLD des eigenen Landes, oder auf .eu für die ausdrücklich europäische Identität. Danach zwei Prüfungen.

1. Erfüllst du die Voraussetzungen auch in zwanzig Jahren noch? Wenn du irgendwann aus der EU wegziehen könntest, ist eine offene TLD wie .de oder .nl langfristig die sicherere Domain als eine wohnsitzgebundene.
2. Registriere bei einem europäischen Registrar. Die Registry bestimmt die TLD-Regeln und die Exposition auf Registry-Ebene, während Vertrag, Support und Abrechnung beim Registrar liegen. Unsere Registrar-Kategorie vergleicht die europäischen Anbieter.

Der Registrarvertrag kann dadurch europäischem Recht unterliegen, aber der .com-Registry-Eintrag wandert nicht aus der US-Jurisdiktion von Verisign und die US-Exposition auf Registry-Ebene verschwindet nicht. Die Beschlagnahmung von bodog.com zeigte, dass US-Behörden eine Maßnahme auf .com-Registry-Ebene erreichen konnten, obwohl die Domain einen kanadischen Registrar nutzte.

Meistens ja. .de, .nl, .be, .at, .cz, .se, .fi, .pl und die meisten anderen stehen weltweit offen, wobei Registries wie .dk und .ee Inhaberdaten prüfen und DENIC von Inhabern außerhalb Deutschlands im Streitfall einen Zustellungsbevollmächtigten in Deutschland verlangen kann. .eu, .fr, .it, .bg, .hr, .sk und .ie haben ausdrückliche Zulassungsbedingungen; auch .es, .hu und .mt kennen Voraussetzungen oder Prüfregeln.

Als EU-Bürger nein. Seit 2019 zählt die Staatsbürgerschaft unabhängig vom Wohnort. Beruht deine Berechtigung nur auf dem Wohnsitz, solltest du deine künftigen Wohnsitzpläne mitdenken.

Unter den veröffentlichten Standard-Verlängerungspreisen liegen .it, .es, .nl, .eu, .fr und .be mit etwa 3,30€ bis 5,50€ am unteren Ende, bevor Kosten und Marge des Registrars hinzukommen. Endkundenpreise können abweichen.