US-Hyperscaler und ihre Sovereign-Cloud-Initiativen

AWS, Azure und GCP machen rund zwei Drittel der weltweiten Cloud-Ausgaben aus. Alle drei betreiben EU-Rechenzentren und bieten Datenresidenz-Optionen, unterliegen aber als US-Unternehmen potenziell der US-Gerichtsbarkeit durch Gesetze wie den CLOUD Act von 2018. Die genaue Reichweite dieses Gesetzes über Daten bei ausländischen Tochtergesellschaften ist rechtlich umstritten, aber die Bedenken haben alle drei dazu veranlasst, Sovereign-Cloud-Initiativen zu starten, die einem gemeinsamen Muster folgen: europäische Kontrolle auf US-eigener Infrastruktur.

AWS hat seine European Sovereign Cloud im Januar 2026 in Brandenburg gestartet, betrieben von deutschen Tochtergesellschaften mit EU-ansässigem Personal und einem unabhängigen Beirat. Die Infrastruktur verfügt über eine eigene Root-Zertifizierungsstelle. Die Tochtergesellschaften gehören jedoch weiterhin vollständig Amazon.com, Inc.

Google verfolgt einen partnerbetriebenen Ansatz. In Deutschland fungiert T-Systems (Deutsche Telekom) als Datentreuhänder und hält Verschlüsselungsschlüssel außerhalb der Google-Infrastruktur. In Frankreich gründete Thales mit Google die S3NS, eine eigenständige französische Rechtseinheit, die eigene Infrastruktur unter französischem Recht betreibt und die SecNumCloud-Zertifizierung anstrebt.

Microsoft hat seine EU Data Boundary im Februar 2025 als abgeschlossen erklärt für Azure, Microsoft 365, Dynamics 365 und Power Platform, mit begrenzten Ausnahmen für globale Sicherheitsoperationen. Für stärkere Trennung gibt es nationale Partner-Clouds: Bleu (Orange + Capgemini) in Frankreich und Delos Cloud (SAP-Tochter) in Deutschland. Microsofts eigener Chefjurist hat Berichten zufolge vor dem französischen Senat eingeräumt, dass keine vollständige Garantie gegen CLOUD-Act-Anfragen möglich ist.

Ob der CLOUD Act ein US-Mutterunternehmen zwingen kann, eine im Ausland eingetragene Tochtergesellschaft zur Datenherausgabe zu bewegen, wurde bisher nicht abschließend von einem Gericht entschieden.

Ein Hinweis zur Souveränität

"Sovereign Cloud" bedeutet je nach Anbieter Unterschiedliches. Im Minimum bedeutet es typischerweise Datenresidenz innerhalb der EU. Am strengeren Ende bedeutet es operative Kontrolle durch EU-Einheiten, ausschließlich EU-ansässiges Personal und rechtliche Strukturen, die den US-Jurisdiktionszugriff einzuschränken versuchen. Kein aktuelles US-Hyperscaler-Angebot beseitigt die Verbindung zum US-Mutterkonzern vollständig, aber der Grad der Trennung variiert erheblich.

EU-Cloud-Anbieter

Eine wachsende Zahl europäischer Unternehmen bietet Cloud-Infrastruktur an, die vollständig innerhalb der EU gebaut, betrieben und rechtlich angesiedelt ist. Diese Anbieter variieren in Größe und Spezialisierung, teilen aber einen Vorteil: Es gibt kein US-Mutterunternehmen in der Unternehmenskette.

Vollständige Cloud-Plattformen

Diese Anbieter bieten die breiteste Palette an Diensten unter EU-nativen Clouds: Compute, Storage, Networking, Kubernetes, Datenbanken und in den meisten Fällen AI/GPU-Infrastruktur.

OVHcloud

OVHcloud

🇫🇷 Frankreich

Europas größter Cloud-Anbieter. Gegründet 1999, börsennotiert an der Euronext Paris. Eigene Rechenzentren und Serverfertigung. Bare Metal, Public Cloud (OpenStack), Private Cloud, Managed Kubernetes und AI/GPU-Instanzen.

Scaleway

Scaleway

🇫🇷 Frankreich

Tochter der Iliad-Gruppe. Entwicklerfreundliche Cloud mit Compute, Managed Kubernetes, Object Storage, Managed Databases und AI/GPU-Infrastruktur. Rechenzentren in Paris, Amsterdam und Warschau.

Gcore

Gcore

🇱🇺 Luxemburg

Cloud Compute, CDN, Edge Computing und AI-Inference-APIs. Globales PoP-Netzwerk mit starker europäischer Präsenz. Bare Metal, Managed Kubernetes und GPU-Instanzen.

Open Telekom Cloud

Open Telekom Cloud

🇩🇪 Deutschland

Betrieben von T-Systems (Deutsche Telekom). Aufgebaut auf OpenStack. Breites IaaS- und PaaS-Angebot für Unternehmen und öffentlichen Sektor. Rechenzentren in Deutschland und den Niederlanden.

Entwickler- und Value-Clouds

Diese Anbieter konzentrieren sich auf Kern-Compute, Storage und Networking mit wettbewerbsfähigen Preisen und entwicklerfreundlichem Tooling.

Hetzner Cloud

Hetzner Cloud

🇩🇪 Deutschland

Bekannt für außergewöhnliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Virtuelle Server, Load Balancer, Volumes, Object Storage und Networking. Rechenzentren in Deutschland und Finnland. Starke Entwickler-Community.

UpCloud

UpCloud

🇫🇮 Finnland

Finnischer Anbieter mit Fokus auf leistungsstarkes Compute. Cloud-Server, Managed Databases, Object Storage und Networking. Transparente Preisgestaltung.

Enterprise- und Sovereign-Clouds

Diese Anbieter priorisieren Compliance, regulatorische Anforderungen und den Betrieb unter deutschem/EU-Recht.

IONOS

IONOS

🇩🇪 Deutschland

Teil der United Internet AG. Breites Spektrum von Shared Hosting bis Cloud Compute und Managed Kubernetes. Rechenzentren in Deutschland, Großbritannien, den USA und Spanien.

StackIT

StackIT

🇩🇪 Deutschland

Aufgebaut von der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), im September 2024 als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert. Rechenzentren ausschließlich in Deutschland und Österreich.

EU-Cloud-Anbieter im Überblick

Anbieter Land Compute Kubernetes Object Storage GPU / AI Bare Metal
OVHcloud 🇫🇷 FR
Scaleway 🇫🇷 FR
Gcore 🇱🇺 LU
Open Telekom Cloud 🇩🇪 DE
Hetzner Cloud 🇩🇪 DE
UpCloud 🇫🇮 FI
IONOS 🇩🇪 DE
StackIT 🇩🇪 DE

Der Stand der EU-Clouds 2026

Der europäische Cloud-Markt reift heran. Während kein einzelner EU-Anbieter derzeit die volle Breite und Tiefe der von AWS, Azure oder GCP angebotenen Dienste erreicht, verbessert sich die Situation stetig. Kernfähigkeiten rund um Compute, Storage, Networking und Container-Orchestrierung sind bei mehreren EU-Anbietern zuverlässig und produktionsreif.

Spezialisierte Dienste wie fortgeschrittene AI/ML-Pipelines, umfangreiche Serverless-Ökosysteme oder proprietäre Datenbank-Engines erfordern möglicherweise noch einen US-Hyperscaler oder einen Multi-Cloud-Ansatz. Aber für viele Workloads, insbesondere solche mit personenbezogenen Daten von EU-Bürgern, bietet ein EU-nativer Cloud-Anbieter einen klareren rechtlichen Rahmen und eine einfachere Compliance-Position.

Die Sovereign-Cloud-Initiativen der US-Hyperscaler stellen einen Mittelweg dar: vertrautes Tooling mit zusätzlichen europäischen Kontrollen. Ob diese Programme ausreichende Souveränität bieten, hängt von der Risikobewertung und den regulatorischen Anforderungen Ihrer Organisation ab. Für die strengste Auslegung der Datensouveränität bleibt ein EU-eigener und -betriebener Anbieter der direkteste Weg.

Die DSGVO verbietet die Nutzung von US-Cloud-Anbietern nicht. Sie verlangt, dass personenbezogene Daten, die außerhalb der EU übertragen werden, angemessen geschützt sind, was durch Mechanismen wie Standardvertragsklauseln (SCCs) oder das EU-US Data Privacy Framework adressiert werden kann.

Der Clarifying Lawful Overseas Use of Data (CLOUD) Act von 2018 ermöglicht es US-Behörden, US-basierte Unternehmen zur Herausgabe von auf ihren Servern gespeicherten Daten zu verpflichten, unabhängig davon, wo diese Daten physisch gespeichert sind.

Viele Organisationen nutzen Sovereign-Cloud-Angebote von US-Hyperscalern und wahren dabei die DSGVO-Konformität. Ob sie ausreichend sind, hängt von Ihrem spezifischen Anwendungsfall und der Sensibilität der betroffenen Daten ab.

OVHcloud und Scaleway bieten unter den EU-nativen Anbietern die breiteste Palette an Diensten. Wenn Sie jedoch stark von spezifischen Hyperscaler-Diensten abhängen, gibt es möglicherweise kein direktes EU-Äquivalent.